Foto (c) Olaf Malzahn

5. Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker
Fürstliche Pracht in bürgerlicher Rotunde

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„Fürstliche Pracht“ versprach das Philharmonische Orchester in seinem fünften Sinfoniekonzert (12. und 13. Januar 2017). Im ersten Beitrag traf das in etwa auch zu.

Wolfgang Amadeus Mozart hatte für seine Oper „Idomeneo“, deren Handlung im kretisch königlichen Milieu spielt, nachträglich noch eine Ballettmusik geschrieben, ein Auftragswerk aus fürstlichem Hause. So weit, so gut. Stefan Vladar, Chef des Wiener KammerOrchesters, dirigierte hurtig und mit großen Bewegungen, teils zu hastig und betonte auch in den langsamen Partien eine eher verspielte Haltung. Ließ auch zu oder forderte, dass Matthias Krebber und Lukas Paulenz, zwei von Lübecks versierten Trompetern, ihre Naturinstrumente zum Klingen brachten. Das hörte sich sehr viel dezenter an, vermischte sich mit dem Orchesterklang aber so stark, dass dem höfischen Festklang der Glanz fehlte.

Im zweiten Programmteil übernahm der Dirigent eine Doppelrolle. Er spielte auch den Solopart in Mozarts Klavierkonzert c-Moll, KV 491. Für ein erfahrenes Orchester wie die Lübecker Philharmoniker ist das keine Erschwernis, auch wenn der Dirigent seinem eigenen Tun die volle Aufmerksamkeit widmen muss. Wunderbare Duette mit den Holzbläsern gelangen besonders im zweiten Satz, hier für Mozart besonders üppig besetzt. Er hatte dazu den Flügeldeckel abgenommen und das Instrument so gestellt, dass er mit dem Rücken zum Publikum saß. Dennoch ermöglichte das nicht immer, dass alles wie aus einem Guss klang.

Stefan Vladar, Foto: (c) Olaf MalzahnStefan Vladar, Foto: (c) Olaf Malzahn

Das moderne Tasteninstrument neigt zur Dominanz, erschwert auch in der Akustik der Rotunde eine gute klangliche Ausgewogenheit. Das beeinträchtigte die Wirkung beider Anfangspartien, sowohl des instrumentalen zum ersten, als auch des solistischen zum Finalsatz. Hatte man an anderen Stellen den Eindruck, dass Vladar besonders auf feine Dynamik achten wollte, waren hier Phrasierung und melodische Gestaltung merkwürdig flach. Dennoch kam das Werk an und brachte langen Beifall. Dafür bedankte sich Vladar mit einer eher unglücklich gewählten romantischen Zugabe.

Der ausgesprochen dramatische Ausdruckswille bei Mozart, auch dass er dieses Konzert für den eigenen Gebrauch komponierte, passte wenig zum Konzertmotto. Und auch Franz Schuberts 6. Sinfonie, die „kleine“ in C-Dur, mag sich dem nicht fügen, auch wenn in dieser Sinfonie durch die Auffassung des Dirigenten das Heitere, Freie und Gefällige überwog. Das kam sicher auch dem Orchester entgegen, konnte es sich doch noch einmal dem Rossini-Klang hingeben, den es im Orchestergraben bei der „Reise nach Reims“ wunderbar vermittelte. Denn auch in dieser Sinfonie klingt Schuberts Bewunderung für den Italiener hörbar an, von dem er in Wien lernen konnte. Die lichte Instrumentation, auch der gefällige melodische Duktus und sein Erfindungsreichtum blitzen aus manchen Partien hervor. Die Philharmoniker hatten wieder einen bewundernswert schönen Streicherton und glänzten bei den Bläsern. Dass nicht alles ausgewogen in der Klangbalance war, mag wieder einmal der Raumakustik geschuldet sein. Sie macht manchem Orchesterleiter Schwierigkeiten, allemal einem Gast auf dem Dirigentenpult.

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Arndt Voß
Aufgewachsen in Neumünster, in Lübeck seit 1959. Studium in Kiel und Hamburg (Musik- und Literaturwissenschaft). Ständige Mitarbeit an den Lübeckischen Blättern von 1974 bis 2014, Berichte und Kritiken darüber hinaus in einigen anderen Organen. Schwerpunktthemen: Musiktheater, Schauspiel, Konzerte.
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